PNN

 

KulTOUR

Nachts bei den "VJ’s" Verein Die Brücke lud zur VideoKunstNacht

(01.03.11)

Kleinmachnow - Über sieben Brücken muss man nun wirklich nicht gehen, um zur „Brücke“ zu kommen, dem neuen Kunst-Verein Kleinmachnows im alten Landarbeiterhaus am Zehlendorfer Damm 200. Vor Kurzem durften dort herrlich alte Kachelöfen noch mal richtig Wärme spenden, während im Hof ein Lagerfeuer seine Funken in den schwarzen Himmel blies. Die Truppe um Rainer Ehrt hatte vermutlich ganz Kleinmachnow zu einer „VideoKunstNacht“ in die denkmalgeschützte, aber noch unsanierte Kate eingeladen. Suppen, Glühwein und anderes Getränk standen bereit, denn vor zwei Uhr nachts sollte bei den „timelights“ Ultimo nicht sein.

Diesmal war die Bude wirklich voll, dreihundert Besucher, darunter sechs Gemeindevertreter. Na bitte! Filme, Musik, Animationen, Videos und Live-Kunst in vier Räumen, manche „Motion Graphics“ drängten durch die Fenster auch nach draußen. Viel Technik brauchen solche Künste, alles ist abhängig vom Strom. Vor allem aber von Gefühl, Wille und Erfahrung. Glücklicherweise standen dem Verein die phantasiebegabten Jungs der Kleinmachnower Videofilmwerkstatt „Prototypen“ zur Seite. Ihr Raum – ein Mix aus Atelier und Werkstatt – war der lebendigste von allen. Ein umgebautes Episkop warf Bilder wie vom Fließband an die Wand, ein Laptop zeigte Banknoten aus aller Welt – wie gleich sieht ein Scheinchen aus Bhutan oder Kongo aus? Architektur ist darauf abgebildet, aber auch Tierbilder.

Vielleicht kann man da etwas extrahieren und verwenden, wie der Video-Spezialist Falk Gärtner es mit seiner „live-cinema“-Arbeit tut: Er lobt nicht den Tag, nicht die Stunde, nein, der Augenblick in seiner Stimmung hat es ihm angetan. Mit einem Computer und einem kleinen Mischpult ausgerüstet, stellt er je nach Situation und Gusto selbstgedrehte Video-Schnipsel („loops“) zu einem Clip zusammen, den man sich im Stück oder in Teilen anschauen kann. Zu elektronischen Klängen soll sich jeder nehmen, was er mag. Er nennt diese spezielle Ästhetik in Anlehnung an die DJs einfach „VJ“. Seine Arbeiten sind so sehr auf die Situation ausgerichtet, dass kein Repro den Geist vom Nu zurückholen könnte. Die „Prototypen“, auch ein Internet-Radio betreibend, legen großen Wert darauf, jedes Bild, jeden Ton, alles selber zu produzieren.

Andere Räume, andere Bilder. In einem sah man internationale Kunst-Videos aus dem Net, im nächsten legte eine rotbehoste Dame im Kriechgang ihre eigene Spur in die Landschaft, dabei wie Nimmersatt ständig nur Schnee mampfend. Im hintersten Raum drehte sich eine große, vertikal gebaute Welle aus rotem Plastik langsam und durchlöchert um sich selbst. Immer wiederkehrende Sequenzen einer fliehenden Film-Familie mussten silhouettengleich durch diese Löcher hindurch, was ganz erstaunliche Effekte ergab. Der Ton zum Bild auf das Äußerste verlangsamt.

Nicht jede Produktion überzeugte, aber man muss ja nicht alles gleich „Kunst“ nennen. Oft waren die Impulse beim ersten Kleinmachnower Video-Nocturne sogar stärker als die Bilderfolgen. Man sprach miteinander, man redete über das Geschaute, ein besonders intellektuelles Gemüt warf sogar den Passus „positive Synergie-Effekte“ in die Runde. Suppe fassen, weitergucken!

Was der einjährige Verein mit solchen Veranstaltungen will? Brücken schlagen. Die Hiesigen sollen in Kleinmachnow nicht nur schlafen, sondern auch leben! Deshalb: Fortsetzung folgt.