PNN 28.05.10

 

Von Henry Klix

„Von der Finanzkrise ist nichts zu spüren“

Grundstücksmarktbericht 2009: Die Baulandpreise rund um Potsdam sind erstmals seit acht Jahren gestiegen (28.05.10)

Potsdam-Mittelmark - Auf dem mittelmärkischen Grundstücksmarkt brummt es wie eh und je: 327 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr bei Verkäufen umgesetzt, 4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Besonders das Interesse am Potsdamer Umland ist ungebrochen. Laut aktuellem Grundstücksmarktbericht wurden 80 Prozent aller Umsätze im Alt-Landkreis Potsdam erzielt. Spitzenreiter bleibt Kleinmachnow, wo Häuser und Baugrundstücke für 77,2 Millionen Euro den Besitzer wechselten – letztere bei Baulandpreisen von bis zu 290 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Treuenbrietzener Ortsteil Niebelhorst kostet der Quadratmeter Bauland 5 Euro.

Größte Überraschung des „Krisenjahrs“ 2009: Nachdem die Baulandpreise im Speckgürtel zwischen den Jahren 2000 und 2008 um knapp 20 Prozent gefallen sind, war im vergangenen Jahr ein zarter Aufwärtstrend von 2,8 Prozent zu verzeichnen, in Wohnparks lag er bei 0,4 Prozent. Größter Profiteur: die Gemeinde Schwielowsee. In der Caputher und Geltower Ortslage (jetzt 95 und 80 Euro) und in Wildpark-West (90 Euro) sind die Preise pro Quadratmeter Bauland um je fünf Euro gewachsen. Währenddessen befinden sich die Baulandpreise im „äußeren Entwicklungsraum“ weiter im Sinkflug.

Insgesamt gilt: Je weiter man sich von Potsdam entfernt und je ländlicher es wird, desto günstiger kommt man weg – allerdings nicht mit der Infrastruktur. Wer sich für ein eigenes Dach über dem Kopf entscheidet, kauft deshalb meist in der Nähe von Potsdam und Berlin, sagte Wilk Mroß, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis, als er gestern in Teltow die Ergebnisse der Preisanalyse 2009 vorstellte. So waren die Geldflüsse im vorigen Jahr auch in Teltow (43,4 Millionen Euro), Werder (Havel) (36,5) und Stahnsdorf (30,1) beachtlich. „Von der Finanzkrise ist in Potsdam-Mittelmark nichts zu spüren, in anderen Landkreisen sieht das anders aus“, sagte Mroß. Der robuste Trend spiegele sich auch in der Zahl der 110 Zwangsversteigerungen wider – zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

Notare sind verpflichtet, dem Gutachterausschusses jeden Kaufvertrag zu melden. 3234 Kaufverträge aus dem vergangenen Jahr – vom Spargelacker bis zum Baugrundstück am Wasser – wurden dafür ausgewertet. Wurden voriges Jahr 826 Baugrundstücke rund um Potsdam verkauft, so war das Interesse an schon bebauten Grundstücken mit 727 kaum geringer. Im Schnitt kosteten Haus und Garten zwischen Teltow, Beelitz und Werder 236 000 Euro. Die Spanne ist allerdings beachtlich, angefangen mit 86 000 Euro in Seddiner See bis 491 000 Euro in Kleinmachnow. In Werder kosten die eigenen vier Wände durchschnittlich 187 000 Euro, in Michendorf 164 000. Besonders für Häuser ab dem Baujahr 1990 sind die Preise im Umland gestiegen, in teuren Wohnlagen um satte 15 Prozent.

Bemerkenswert findet Chefgutachter Mroß, dass man auch für Forst- und Agrarflächen immer tiefer in die Tasche greifen muss. 20 Cent kostet der Quadratmeter Wald rund um Potsdam, 18 Cent weiter draußen. Wer vor vier Jahren Wald gekauft hat, hat einen Vermögenszuwachs zwischen 54 und 80 Prozent zu verzeichnen. Für Ackerland zahlt man inzwischen – je nach Lage und Bodenqualität – 31 bis 35, für Grünland 17 bis 32 Cent.

Der Grundstücksmarktbericht ist für 22,50 Euro, eine Bodenrichtwert-DVD des Kreises für 35,70 Euro in der Geschäftstelle des Gutachterausschusses in Teltow, Lankeweg 4, erhältlich. Öffnungszeiten: dienstags 9 bis 18 Uhr, Telefon: (03328) 318 313. Eine Bodenrichtwert-DVD des Landes Brandenburg kann für 290 Euro im Internet bestellt werden, www.geobasis-bb.de .