PNN 17.09.09

 

Keine Siesta am Samstag

Mehrheit gegen Mittagsruhe in Kleinmachnow (17.09.09)

Kleinmachnow - Es war eine Debatte mit vielen Emotionen, und der Ausgang war denkbar knapp: Mit gerade einer Stimme Mehrheit verwarfen die Kleinmachnower Gemeindevertreter den Vorschlag von Grünen und Linken, in Kleinmachnow eine samstägliche Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr festzuschreiben. Nach über einem Jahr der Debatte in den Gremien der Gemeindevertretung wurde die sogenannte „Ordnungsbehördliche Verordnung“ am Dienstagabend nun ohne die Schlummer-Regelung verabschiedet. Die Verordnung soll zehn Jahre gelten.

„Die Mittagsruhe führt nicht zu Frieden in der Bevölkerung“, hatte vor allem Bürgermeister Michael Grubert (SPD) gegen die Neuregelung mobil gemacht. Bereits im Vorfeld hatte auch eine Befragung von Wirtschaft und Polizei dem Rathaus Argumente gegen die Siesta geliefert: So hätte der Kunden- und Lieferverkehr mitten am Werktag gestoppt werden müssen, ebenso Arbeiten an Baustellen – mit den daraus folgenden Mehrkosten, warnten zum Beispiel Handelskammer sowie Wasser- und Abwasserzweckverband. Grubert argumentierte: Im Zweifelsfall sorge auch die gesetzliche Mittagsruhe nicht für Ruhe in der Nachbarschaft. Polizei und Ordnungsamt würden am Wochenende kaum mit der Kontrolle der Mittagsruhe hinterherkommen, prophezeite Grubert.

Bei den Befürwortern der Mittagsruhe kamen die Argumente jedoch nicht an: „Die Anwohner wurden gar nicht gefragt“, kritisierte die Grünen-Vertreterin Barbara Sahlmann – Handwerker hingegen schon. Auch Nina Hille (SPD) sprach bei der Mittagsruhe von einer „berechtigten Schutzforderung aus der Bevölkerung“. Linken-Chef Klaus-Jürgen Warnick appellierte: „Wir wollen, dass die Menschen auch am Samstag für einen gewissen Zeitraum Ruhe halten.“

Genützt hat es nichts. Mit der denkbar knappen Mehrheit von einer Stimme wurde die Siesta gekippt. Aber dennoch: Neben dem richtigen Umgang mit Gartenabfällen, Hundekot, Hundeleinen und Hausnummern besagt die neue Ordnungssatzung auch: In Kleinmachnow habe sich jeder so zu verhalten, dass andere nicht belästigt werden – dazu zähle auch vermeidbarer Lärm am Samstagmittag, erklärte Bik-Vertreter Roland Templin. Tobias Reichelt