PNN 02.09.09

 

Der Nachbar ist König

Diskussion um die samstägliche Mittagsruhe (02.09.09)

Kleinmachnow - Braucht Kleinmachnow eine gesetzlich festgelegte Mittagsruhe für den Samstag? An der Schlummerpause scheiden sich unter den Gemeindevertretern derzeit die Geister. Bürgermeister Michael Grubert (SPD) möchte die Ruhezeit von 13 bis 15 Uhr aus einer Neufassung der „Ordnungsbehördlichen Verordnung“ der Gemeinde gern wieder streichen. Zwar hatten sich in der vorangegangenen Diskussion viele Gemeindevertreter dafür ausgesprochen. Das Rathaus argumentiert jetzt aber mit einer Befragung von Wirtschaft und Polizei, die sich kritisch dazu geäußert haben.

So wird aus der Kreishandwerkerschaft betont, dass es sich beim Samstag um einen Werktag handelt. Die Potsdamer IHK erklärt, dass Kunden und Lieferverkehr sowie Arbeiten auf Baustellen „im Interesse der Wirtschaft nach wie vor an allen Werktagen“ möglich sein müssten. Der Wasser- und Abwasserzweckverband „Der Teltow“ befürchtet Mehrkosten und Mehraufwand, wenn die samstägliche Mittagsruhe in Kraft treten sollte. Das Polizeipräsidium Potsdam fordert schließlich, zumindest private von öffentliche Interessen zu unterscheiden.

„Dass die Mittagsruhe nicht festgelegt ist, schließt die gegenseitige Rücksichtnahme nicht aus“, sagte Bürgermeister Grubert am Montagabend im Hauptausschuss. In Konfliktfällen sei es immer noch das Beste, das Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen. Kornelia Kimpfel (FDP) berichtete daraufhin ausführlich von ihren guten Erfahrungen, die sie mit nachbarschaftlichen Absprachen gemacht habe. „Wenn mein Nachbar sagt, dass er am Sonnabend ab 15 Uhr Gäste hat, schneide ich die Hecke vorher.“ SPD-Vertreter Jens Klocksin ergänzte, dass vorgeschrieben Ruhezeiten auch nicht helfen, „wenn die gute Nachbarschaft nicht gelingt“. Ludwig Burkhardt (CDU) sah es ähnlich und äußerte Zweifel, ob es das Miteinander fördert, wenn man bei Ruhestörungen mit einer Satzung wedelt.

Währenddessen kündigte Klaus-Jürgen Warnick einen Gegenantrag seiner Links-Fraktion für die nächste Gemeindevertretersitzung an, mit dem die samstägliche Mittagsruhe doch noch durchgesetzt werden soll. „In Kleinmachnow ist jeder ein kleiner König. Mit Vernunft ist es da nicht immer einfach.“ Auch Nina Hille (SPD/Pro) sprach sich dafür aus, die Ruhezeit zu fixieren: „Antiautoritär ist ja schön und gut, aber die Lebenswirklichkeit sieht anders aus.“

Das Rathaus bemüht sich seit über einem Jahr, die neue Ordnungssatzung zu verabschieden. Die Neufassung ist sprachlich überarbeitet und um einige Punkte ergänzt worden, wie der Beseitigungspflicht für Hundekot oder die Gestaltung von Hausnummern: Dazu werden schwarze arabische Ziffern auf hellem Grund vorgeschrieben, die 70 Millimeter hoch sein müssen. Die Hausnummer ist gut sichtbar neben dem Hauseingang anzubringen. Henry Klix