MAZ 08.07.09

 

KONFLIKT: Eigentümer errichtet Zaun

Spaziergänger am Buschgraben empört / Bürgermeister: „Kein Baugebiet"

KLEINMACHNOW - Aufregung im Kleinmachnower Buschgraben-Gebiet: Der Eigentümer der Fläche an der Berliner Stadtgrenze hat drei Hektar einzäunen lassen. Anwohner und Spaziergänger, die das Gelände unter anderem als Hundeauslaufplatz nutzen, sind empört. „Hier endet West-Berlin“, haben sie als Zeichen des Protests an den Zaun geschrieben.

Der Streit um den Buschgraben geht nun schon über Jahre. Eigentümerin ist die Erbengemeinschaft Gérard, deren Vorfahren die Fläche bereits vor mehr als einhundert Jahren erworben hatten. Die geplante Bebauung kam bis zum Zweiten Weltkrieg nur schleppend voran, der Mauerbau genau an dieser Stelle stoppte dann die weitere Entwicklung. Nach der Wende kauften die zu DDR-Zeiten enteigneten Gérards zehn Hektar des ehemaligen Grenzstreifens zurück. Entstehen sollte ein Wohngebiet mit Anbindung an Berlin. Proteste von Anwohnern gegen die Bebauung und heftige Debatten in den Gemeindevertretungen prägten das Bild lange Zeit. Zuletzt wurde das Ansinnen der Erbengemeinschaft Anfang dieses Jahres zurückgewiesen.

„Wir haben nun einen Teil unseres Landes zur Bewirtschaftung verpachtet“, sagte Alexander Gérard gestern zur MAZ. Doch trotz Hinweistafeln seien immer wieder Spaziergänger über das bereits landwirtschaftlich bearbeitete Feld gelaufen. „Um Zerstörungen vorzubeugen, mussten wir den Wildzaun errichten.“

Gérard sieht sich im Recht. „Seit Jahren zahlen wir an die Gemeinde unsere Grundsteuer, doch davon hatten wir bislang nur den Hundekot auf unserem Besitz.“ Wenn die Erbengemeinschaft schon nicht bauen dürfe, wolle sie nun das Gelände eben anderweitig nutzen.

Die Umzäunung betreffe nur den östlichen Teil des Buschgraben-Gebiets, so Gérard. „Die Spaziergänger kommen am Zaun vorbei und können das Landschaftsschutzgebiet mit dem See problemlos erreichen.“

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) bedauerte gestern die erneute Zuspitzung des Streits um den Buschgraben. Eines stellte er im Gespräch mit der MAZ aber klar: „Wir lassen dort definitiv kein Baugebiet zu.“ Die Eigentümer hätten die Verpachtung eines Teils der Fläche der Verwaltung mitgeteilt, so Grubert. „Gegen den Zaun können wir nichts tun, weil es sich um ein Privatgrundstück handelt.“ Damit müssten Verwaltung und Anwohner nun leben. Dennoch will Grubert das Gespräch mit der Erbengemeinschaft suchen.

„Dabei sollte es darum gehen, wie wir es ermöglichen können, dass der Buschgraben auch weiterhin ein Erholungsgebiet für die Kleinmachnower bleibt.“ (sti)

gr