MAZ 29.04.09

 

GESCHICHTE: Lepckes "Phryne" soll auf den Rathausmarkt

Kleinmachnower Heimatverein erinnerte an den Bildhauer / Frauenfigur könnte ins Zentrum rücken

KLEINMACHNOW - Das Stubenrauchdenkmal auf dem Teltower Markt und die Phryne an der Kleinmachnower Eigenherdschule sind vielen in der Region bekannt. Doch über den Menschen und Künstler Ferdinand Lepcke, der sie einst schuf, und der bereits mit 43 Jahren an einer Lungenentzündung starb, weiß man kaum etwas. Im März jährte sich sein Todestag zum 100. Mal.

Aus diesem Anlass hatte sich der Heimatverein Kleinmachnow gemeinsam mit dem örtlichen Kultur- und Kunstverein auf Spurensuche begeben. Im Ergebnis konnten kürzlich im Bürgersaal des Rathauses nicht nur Informationen zu den Spuren Lepckes in Kleinmachnow, sondern gleichzeitig ein entfernter Verwandter des Künstlers präsentiert werden. Urgroßneffe Dietmar Leischner berichtete mit Unterstützung von bislang unbekanntem Bildmaterial aus Privatbesitz vor allem aus Coburger Zeiten und gab Einblicke in die große Familie um Ferdinand Lepcke.

In Coburg verbrachte er Kindheit und Jugend, aber schon früh zog es den begabten Lepcke nach Berlin, wo er an der Akademie der Künste studierte und später auch den Professorentitel erlangte. Mit seinem geschäftstüchtigen älteren Bruder Oscar lebte er in einer Charlottenburger Stadtwohnung. Doch zum Arbeiten kam der Bildhauer nach Kleinmachnow, wo er mit Oscar an der damals einzigen Straße von Zehlendorf in die Kolonie Kleinmachnow eine komfortable Villa mit Atelier errichten ließ. Tragischerweise erlebte der erste Künstler-Bauherr des Ortes die Fertigstellung des prächtigen Domizils nicht mehr mit. Lepcke starb ein Jahr zuvor.

In seinem kurzen Leben war er dennoch weit über die Grenzen der bayrisch-preußischen Gefilde hinaus gekommen. Eine Romreise, ein Parisaufenthalt und eine Reise nach Dänemark sorgten für Inspiration. Dem weiblichen Geschlecht schien er künstlerisch besonders geneigt, was auch in der Phryne, die in der Region allerdings oft fälschlicherweise als die schöne Badende bezeichnet wird, zum Ausdruck kommt. Nackt und zahlreich sind seine Skulpturen weiblicher Bildnisse, doch längst nicht die Einzigen. Mit dem Stubenrauch-Brunnen, der jetzt nur noch als Rumpfskulptur ohne die ihn einst flankierenden Bronzereliefs der Allegorien von Havel und Spree zu sehen ist, verewigte Lepcke seinen Gönner Ernst von Stubenrauch. Ein weiterer Brunnen, der Sintflutbrunnen, steht noch heute in Coburg. Auf einem alten Foto blicken Ferdinand und seine Schwester Luise gedankenverloren vom Coburger Stadthaus der Familie aus auf den nur etwa 100 Meter entfernten Brunnen, der früher wegen der ausschließlich nackten Figuren auch als Sündflutbrunnen bezeichnet wurde.

Abgüsse von Lepckes Arbeiten standen und stehen vielerorts, beispielsweise in Berlin, Eisenach oder im polnischen Bromberg. Kleinmachnow hat die Phryne, deren abenteuerliche Wanderung vom Aufstellungsort am Berliner Schlachtensee über ein Zwischenlager in der ehemals Lepckeschen Villa, zum Düppelteich und aktuell an die Eigenherdschule nun bald ein Ende finden soll. Auf dem Rathausmarkt sieht der Heimatverein einen angemessenen Platz. MM